Ein bisschen weniger Müll

by chris_10  

Samstagmorgen, halb zehn in Chachagua. Die Sonne brennt. Eigentlich ist es genau der richtige Tag, um ins Schwimmbad oder zum Fluss zu gehen. Doch wir haben heute ganz andere Pläne. Etwa fünfzehn Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 16 Jahren erwarten uns schon an der Pulperia von Adilio. Der Auflauf ist erfreulich groß, aber wir können auch jede helfende Hand gebrauchen, denn heute wollen wir in Chachagua Müll sammeln und davon gibt es hier wahrlich genug.

Zunächst gehen wir jedoch mit den Kindern zu mir nach Hause. Hier finden wir Platz, uns alle miteinander hinzusetzen und die Aktion vorzubereiten. Vorbereitung ist in diesem Zusammenhang eher als Aufklärung zu verstehen, warum wir diese Initiative starten, wie unser Müllproblem aussieht und, was wir darüber hinaus noch tun müssen, da eine Müllsammelaktion alleine längst nicht ausreicht.

Dem Film Plastic Planet (http://www.youtube.com/watch?v=nE2b1FxlTiA) entnehmen wir, dass wir mit dem bis heute produzierten Plastik, unsere Welt sechs Mal bedecken können. Eine erschreckende Vorstellung. Im Pazifik ist dieses Szenario schon Realität. Dort treibt sich ein schwimmender Kontinent aus Müll von der Größe Mitteleuropas vor sich hin. Die Leidtragenden sind vor allem Fische, Schildkröten oder Seevögel. Das Verhältnis von Plastikteilen und Plankton ist mit 6:1 (in Einzelproben bis 60:1) fatal. Und die echte Karettschildkröte, die gern Quallen verspeist, erwischt immer häufiger eine herumschwimmende Plastiktüte.

Dabei sind wir als Müllverantworter jedoch auch ebenso Leidtragende, ohne das wir es merken. Es ist ein schleichender Prozess, täglich haben wir irgendein Stück Plastik in der Hand, am Körper oder nehmen ein Getränk aus einem Plastikbehälter auf. Oder aber wir nehmen es gleich durch die Nahrungskette auf, indem wir einen Fisch verzehren, der mal nicht richtig aujf sein essen geschaut hat.

Mit der Zeit sammeln sich die Giftstoffe aus den harmlos erscheinenden Produkten an und verursachen Unfruchtbarkeit bei Männern und Krankheiten wie Krebs oder Asthma.

Es gibt nur einen Weg aus diesem Dilemma für uns und unsere Umwelt: verantwortungsvolleren Umgang mit Müll und Plastik durch angemessene Entsorgung und Müllvermeidung! Da stimmen uns auch die Kinder zu.

Nun aber ran an die Arbeit. Einige Helfer sind bereits mit kleinen, alten Plastiktüten bewaffnet, die sie als Handschuh benutzen, um den zum Teil verdreckten Müll aufzusammeln. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf. Die erste Gruppe begleitet mich in der Straße ?Calle Barrantesˮ, während Eva mit der anderen Hälfte die Straße ins Zentrum säubern wird.

Die Reaktionen der Menschen sind unterschiedlich. Eine Mutter schickt voller Begeisterung ihren Sohn dazu, während eine andere ihre Tochter wieder abholt mit der Begründung, sie sei doch noch zu klein für sowas. Ich widerspreche ihr, denn ihre Tochter hat sichtlich Freude, bei dem, was sie tut. Andere finden es einfach nur entsetzlich, dass wir so viel Müll auf so kurzer Strecke finden und schätzen daher unser Engagement.

Nach ca. zwei Stunden in der Hitze, inclusive einer notwendigen Wasser- und Verschnaufpause, haben wir alle 12 großen Müllsäcke gefüllt.

Die Kinder hatten ihren Spaß an der Aktion und fragen, wann wir weitermachen, denn in anderen Straßen wartet ebenfalls viel Arbeit auf uns. Wer beim nächsten mal wieder helfen möchte, wird also direkt aufgeschrieben und abschließend bedanken wir uns mit einem Eis und einem Lolli bei allen fleißigen Helfern.
















3 comments

Comment from: toni [Visitor]

schön, dass die jungen leute so fleissig mitmachen.

11-04-11 @ 22:39
Comment from: simone [Visitor]

Schön und so einfach! In Bayern heißt sowas “Rama Dama” (grob übersetzt “aufräumen tun wir") und dazu wird in vielen Dörfern traditionell zum Frühlingsbeginn aufgerufen… Wenn wir hier in D Menschen fragen, was sie schon mal für die Umwelt gemacht haben bzw. tun, wird oft Mülltrennung genannt oder “ich hab schon mal Müll gesammelt".

Hier finde ich das etwas wenig, ist unser Problem doch ein anderes: wir verbrauchen insgesamt zuviel. In Costa Rica ist es aber mehr als berechtigt und sinnvoll. Wie war das nochmal mit der Entsorgung, ich erinnere mich an einen anderen Blog-Beitrag “Plopp!"…???

11-04-11 @ 23:17
Comment from: Niklas [Visitor]

Da können sich so manche Leute mal eine Scheibe von Abschneiden. Da sind die Kleinen schon die richtigen Vorbilder und zeigen, wie wichtig es ist, sich um seinen Müll zu kümmern.
www.entsorgung.de

11-06-09 @ 19:35