Von Fisch zu Frosch zu Schmetterling

by 13 anna  

An zwei Tagen der Woche gebe ich morgens und nachmittags Schwimmkurse. Denn obwohl das Meer direkt vor der Tür liegt, können nur die wenigstens Einwohner schwimmen. Diese Arbeit macht mir besonders viel Spaß, da ich den Kindern etwas beibringen kann, mich nützlich fühle und gleichzeitig auch immer wieder etwas lernen kann - auch wenn es nur ein neues spanisches Wort ist.


Schwimmunterricht im Meer

Da ich auch schon in Deutschland Schwimmkurse gegeben habe, fällt mir das theoretisch auch nicht schwer, aber durch die Sprache und die äußeren Umstände ist es doch etwas ganz anderes. Schwimmkurse im Meer sind eine neue Herausforderung, obwohl man sagen muss, dass die Gegebenheiten des Golfo Dulce sehr günstig sind. Das Wasser ist auch die ersten 40m bei Flut noch flach genug, um stehen zu können. Auch gibt es keinen Wellengang, so dass die Sicherheit der Kinder gewährleistet werden kann. Aber es gibt andere Gegebenheiten, die den Aufbau eines Schwimmkurses in Puerto Jiménez im Weg stehen. Da wäre zum einen die Angst, die viele Einwohner von Puerto Jimenéz bezüglich des Meeres teilen, so dass die meisten erst gar nicht ins Wasser gehen und es auch ihren Kindern verbieten, da es zu ungewiss sei, was sich alles darin befindet. Es kursieren auch verschiedene Erzählungen über Haie, Krokodile, etc. . Zum anderen halten viele Ticos den Golfo Dulce für dreckig und haben Bedenken, dass sie sich durch das Hineingehen mit Krankheiten anstecken.

Ein weiterer Punkt ist, dass es allgemein schwer ist, Ticos für etwas Neues zu begeistern. Viele Kinder waren erst mal enthusiastisch dafür, einen Schwimmkurs zu besuchen, doch die Euphorie hat dann bei vielen doch nicht dazu ausgereicht, tatsächlich auch zu kommen. Viele Eltern waren zu Beginn sehr skeptisch und einige erlauben es auch bis heute nicht, dass ihre Kinder zu den Schwimmklassen erscheinen.

Weiterhin ist den meisten Eltern nicht wohl dabei, dass ihre Kinder alleine zu den Schwimmkursen kommen, aber sie wollen oder können sie nicht selbst begleiten. Um diesem Problem entgegenzuwirken, habe ich mich persönlich bei einigen Eltern vorgestellt und hole die Kinder selbst vor den Schwimmkursen ab und bringe sie danach wieder Nachhause, so dass die Eltern keine Arbeit damit haben.

Die Schwimmkurse biete ich jeden Dienstag und Donnerstag jeweils morgens um 9.00 Uhr und nachmittags um 14.00 Uhr an. Es ist nötig, sie zu beiden Zeiten anzubieten, da die Grundschüler in Puerto Jimenez jede Woche abwechselnd nachmittags oder vormittags Unterricht haben. So biete ich die Kurse zwei Mal an, damit es für jedes Schulkind möglich ist, zu kommen, wenn es das möchte.

Momentan habe ich dementsprechend zwei Gruppen, zu denen auch regelmäßig Kinder kommen. Insgesamt erscheinen 10 Kinder kontinuierlich. Allerdings habe ich drei Kinder, die ich gesondert unterrichte, da sie spezielle Lernförderung brauchen. Das eine Mädchen, da sie noch sehr jung ist und deshalb mehr Aufmerksamkeit benötigt zu ihrer Sicherheit und nicht mit dem Tempo der älteren Schwimmkinder mithalten kann. Ein anderer leidet an dem Asberger-Syndrom, das es mir auch nicht ermöglicht, ihn in der Gruppe zu lehren und der Dritte ist zu verhaltensauffällig, so dass ich das einfach aus Sicherheitsgründen entschieden habe. So sind es bisweilen je nachdem wie viele und welche Kinder erscheinen vier bis fünf Stunden Unterricht, die ich gebe und dann kommt noch die Zeit von Warten während die Kinder duschen und dem Rückweg - was in allem eine Sache von 5-10 min sein könnte, meist jedoch eher eine halbe Std. dauert.

Ein normaler Ablauf einer Schwimmstunde: Zu Beginn wärmen wir uns entweder am Strand oder im Wasser mit ein paar "Hampelmann-Sprüngen" auf. Danach werden im Wasser die verschiedenen Armabfolgen der unterschiedlichen Stilrichtungen stehend noch mal durchgesprochen beziehungsweise von den Kindern vorgeführt. Dann üben wir meist die dazugehörigen Techniken der Beinschläge mit Hilfe der uns zu Verfügung stehenden Schwimmbretter.

Wenn allerdings keine "Neuankömmlinge" anwesend sind, lasse ich die Kinder öfter kleine Wettrennen schwimmen oder aber auch längere Strecken tauchen, da ihnen das besonders viel Spaß macht. Aber ich beginne jetzt auch immer häufiger sie lange Strecken parallel zum Strand schwimmen zu lassen, was mittlerweile ihren Ehrgeiz gepackt hat, da sie ihre eigenen Rekorde stetig verbessern möchten. Am Ende spielen wir immer ein Fangspiel "Krebs und Fisch", bei dem der "Krebs" die "Fische" fangen muss.

Zum Schluss komme ich zu der Auflösung der Überschrift. Da meine Schwimmkinder mittlerweile Kraul-, Brust- und Rückenschwimmen können und auch schon die Vorstufe des Schmetterlingschwimmens - die Schmetterlingsprünge- beherrschen, zeigen sich welche Stile ihnen mehr oder weniger liegen. So kann ein Schüler tauchen, wie ein kleiner Fisch sowohl in Dauer, die er unter Wasser verbringen kann, wie auch die Distanz, die er unter Wasser zurücklegen kann. Ein anderer hingegen ist sehr talentiert in dem "veralteten" Schwimmstil "Rückenaltdeutsch", der im Spanischen "Stil des Frosches" genannt wird. Welch eine Überraschung- das letzte Tier ist der Schmetterling, da ein Kind besonders gut die Sprünge des Schmetterlings beherrscht. Ein anderer schwimmt zwar langsamer, hat dafür aber von allen die beste Technik. Wieder ein anderer kann mittlerweile über 120m am Stück schwimmen. Wie man bzw. ich sehen kann, haben die Kinder ziemlich viel gelernt und jedes hat sein ganz eigenes Talent und macht eine individuelle Entwicklung durch. Ich hoffe, dass die Schwimmkurse weiterhin so erfolgreich bleiben und vielleicht auch noch zusätzliche hinzukommen.

1 comment

Comment from: Magda [Visitor]

Wow 4-5 Stunden Unterricht? Das ist aber gesamt und nicht am Stück,oder? Und wie ist das mit dem Meer, also Haie sind ja im flachen Wasser sicher nicht, aber mit der Verschmutzung? Damit wird ja in Costa Rica oft eher sorgloser umgegangen als hier, deswegen wundert mich das gerade. Aber generell finde ich toll, dass du das so engagiert machst, weil schwimmen zu können spaßig und nützlich ist.

14-06-10 @ 12:07