Der festliche Monat

by 14 simon  

So, euch allen erst einmal ein frohes Neues vorweg! In diesem Eintrag werde ich die Feste und Gebräuche vom Festival de la Luz bis hin zum Neujahr beschreiben, wie ich sie erlebt habe, hier in Costa Rica im vergangenen festlichen Monat Dezember.

Anfangen werde ich zunächst mit dem Festival de la Luz, über welches ich ja schon im letzten Blog als kommendes Ereignis berichtet habe. Dieses Lichtfestival habe ich in San José besucht, wobei ich dort erst einmal, nach Tipp eines Einheimischen mit dem ich mich traf, 4 Stunden an der Straße wartete, um die besten Plätze für die Vorstellung zu haben. Das Ganze stellte sich letztlich als Parade von allen möglichen Firmen und Instanzen heraus; beispielsweise war der Hauptmobilfunkanbieter Kölbi sowie die Bomberos (die Feuerwehr), neben unzähligen Universitäten und anderen Einrichtungen vertreten.


Lichterdrache in San José

Der Zug hatte an sich, wie sich schon durch den Namen des Festivals erkennen lässt, immer irgendetwas mit Licht zu tun. Die Feuerwehr beispielsweise beamte auf die Hochhäuser ein riesiges Logo der Bomberos, andere führten einen riesigen Wagen mit Drachenverkleidung vor, der mit Lichterketten geschmückt war. An sich war das ganze riesig, schön mit anzusehen, teilweise auch von Feuerwerk begleitet, hätte es nicht die ganze Zeit dauergenieselt. Alles war nass, in der Hauptstadt hatte es 15 Grad Celsius, die Leute froren, da sogut wie keiner eine Regenjacke mitgebracht hatte. Ein Verlass auf den Wetterdienst...

Naja, es ging näher zu auf Weihnachten, welches zu dieser Zeit noch etwas mehr als eine Woche entfernt war. Hier lernte ich einen anderen Brauch kennen, die Weihnachtslotterie, in der fast jeder, den in darauf ansprach, ob er denn teilnahm, mitspielte. Hauptausschüttung bei einem vollen Los von 40 Teilen waren immerhin satte 1,4 Milliarden Colones, umgerechnet circa 2,2 Millionen Euro. Ein Teillos kostete schon 1750 Colones, um die 2,50 Euro, also war die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand 40 gleiche Lose für 100 Euro kaufte, doch recht gering. Ich habe mir dann doch auch ein Teillos gekauft, das waren mir die 2,50 Euro noch wert, wenn man mir schon sagt, dass das doch irgendwo zur Kultur gehört.

Tja und wie es so schnell gehen kann, habe ich tatsächlich etwas gewonnen! Auch wenn es nichts spektakuläres war, lediglich die letzte Ziffer war richtig, habe ich trotzdem meinen doppelten Kaufpreis gewonnen, also ungefähr 5 Euro.

Und siehe da, schon war es Weihnachten. Dies habe ich allerdings eher etwas unspektakulär verbracht, wieder war ich in San José und habe mich mit einem ansässigen Honduraner getroffen, mit welchem ich den Abend in einer Bar verbrachte (mit allerdings erstaunlich vielen anderen Menschen), um auf Mitternacht zu warten. Zu Beginn des 25. in der Nacht wurde dann, ähnlich wie an Silvester nur etwas schwächer ausgeprägt, Feuerwerk in den Himmel von San José geschossen. Man wünschte sich fröhliche Weihnachten, den familiären Part würde man am nächsten Morgen feiern. Der 25. war dann auch ein Feiertag, der für einen Besucher in San José auch einmal seine Nachteile mit sich zog. Nämlich: Alles war geschlossen. Museen, Einkaufszentren, die halbe Avenida Central in San José wirkte zumindest zu der Uhrzeit, als ich sie passierte, wie ausgestorben. Demnach zuerst "fiesta", dann "tranquilo", ein für mich eher merkwürdiges Weihnachten, was vermutlich größtenteils daran lag, dass mir irgendwo der familiäre Aspekt fehlte.

Soviel zu meinem Weihnachten... Alles in allem war das ganze irgendwo dann doch ein Witz mit den freien Tagen, die FEDEAGUA uns schenken wollte, ab dem 24. hatten wir nämlich lediglich bis zum 25. frei, um dann am 26. wieder arbeiten zu dürfen und die nachfolgenden Tage vom 27. bis zu 4. Januar wieder frei zu bekommen. Damit war ich dann am 26. wieder in Guanacaste, was sich auch bis zum neuen Jahr nicht änderte.


Feuerwerk an Silvester

Dieses verbrachte ich an einem kleinen Dorf namens Sámara am Strand der Pazifikküste, wo es tatsächlich auch einmal eine Disko gab. Für den besonderen Anlass wurde sogar eine Stierkampf-Arena aufgebaut, wobei es zum Glück nicht das Ziel war, den Stier zu töten. Diese habe ich nicht besucht, ich wusste nicht, ob ich darauf wirklich Lust hatte, mir dieses Spektakel einmal anzusehen, aber diese Entscheidung wurde von vorn herein im Keim erstickt, nachdem die Arena restlos überfüllt war. An einer Vielzahl von Verkaufsständen vor dieser Arena verbrachte ich dann die Zeit bis Mitternacht, um das neue Jahr am Strand mit Feuerwerk zu beginnen.

Sámara liegt in einer Bucht mit einer Öffnung zum Meer hin von geschätzt 5 Kilometern Länge, und fast von jedem Standort an dieser Bucht aus zündete jemand Feuerwerk, sodass die ganze Bucht mit Lichtern am Himmel geschmückt wurde. Die freie Sicht auf alles war natürlich umwerfend, der Strand war ziemlich gut gefüllt von Menschen aus verschiedensten Städten Costa Ricas, die Silvester nicht in irgendeiner öden Stadt, sei es sogar San José, verbringen wollten. Ab 1 Uhr habe ich mir dann die Disko angesehen, die zu dieser Uhrzeit recht gut befüllt war, sodass man sich durch die Menschen bahnen musste, um zur Bar zu kommen. Im Endeffekt verbrachte ich dann dort, teilweise auch mit an diesem Abend neu kennengelernten Einheimischen, die Nacht bis zum Morgengrauen, um dann mit dem ersten Bus um 6 wieder zurück nach FEDEAGUA zu fahren, wo ich dann um halb 8 erst einmal übermüdet ins Bett gefallen bin.

Das Problem hierbei im Vergleich zu Deutschland: Das Haus ist offen, es gibt keine Fenster, nur Mosquito-Netze, und damit natürlich auch keine Dämmung. Mag ja bei angenehmen Nachttemperaturen von zwischen 20 und 25 Grad Celsius nicht weiter tragisch sein, tagsüber jedoch bei 30 bis 35 Grad war ein erholsamer Schlaf nach einer durchgemachten Nacht kaum vorstellbar. Nach einigem ruhelosen Schlaf war dann, als der erste Januar sich mehr oder weniger zäh voranschleppte, die Nacht sehr willkommen, um sich dann noch über den Resturlaub vom 2. bis zum 4. freuen zu können.

So, damit wäre man wieder beim heute. Ein neues Mitglied ist der Wohngemeinschaft beigetreten, ein Einheimischer aus San José, in seinen 30-ern, mit dem zusammen hier in FEDEAGUA eine politische Schule aufgebaut werden soll. Er nennt sich Esteban und hat seine zwei Hunde von Zuhause mitgebracht; das Leben hier auf FEDEAGUA wird sich also deutlich in der nächsten Zeit verändern. Inwiefern unsere Arbeit nun aussehen wird und wie wir uns hier so einleben werden, folgt dann schon bald in meinem nächsten Blog!

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