Die undurchsichtigste Antwort in Costa Rica

by 14 caro
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“Wie geht es dir?” fragt dich ein guter Freund. „Passt schon.“, antwortet der Deutsche. In dem kleinen Ländchen Costa Rica geht das immer so: „Cómo está?“ – „Bien“ oder „Pura Vida“ oder „Solo bueno.“ Also positiv. Selbst von Personen, die man jetzt schon etwas länger kennt, kommen nie negative Antworten auf diese Frage, die meist zu einem Smalltalk einlädt oder aber einfach nur aus Höflichkeit gestellt wird.

Und manchmal erwartet das Gegenüber gar keine Antwort. Sozusagen ein Anhängsel an die Begrüßung aber nicht weiter wichtig. Wobei ich nicht ganz von Unwichtigkeit reden kann, da es eben doch irgendwie zu dieser Höflichkeitsformel gehört.

Ich habe das ab und zu mal ausprobiert, etwas anderes zu sagen außer einfach nur „gut, danke“. Beispielsweise „mal so, mal so“ oder „gestresst“. Die Reaktionen waren meistens besorgt und es wurde auch nicht locker gelassen, bis man dann mit der Sprache rausrückt, was denn los sei.

Ich muss oft an meine Ankunft in Costa Rica denken und daran, was am Flughafenausgang steht: Willkommen im glücklichsten Land der Welt. Mein Gedanke dazu war aber nur: Wie kann man denn Glück bitte messen? Gut, man kann Umfragen machen. Nehmen wir an, wir machen eine Feldumfrage unter der costaricanischen Bevölkerung. „Wie fühlen Sie sich heute?“ – „Muy bien, gracias a díos“; „Sind Sie glücklich in Costa Rica?“ – „Claro que sí!“ und so könnte man das Interview fröhlich weiterführen. So und jetzt machen wir eine Umfrage unter den Touristen in Costa Rica… Wie sollen die Costa Ricaner/-innen denn auch anders wirken, wenn sie immer so gut gelaunte Antworten geben?

Nun bin ich fast 8 Monate in diesem Land und es entschlüsselt sich mir nach und nach die Antwort auf meine Frage. Ein einfacher Smalltalk mit einem Freund oder Bekannten reicht nämlich niemals aus, eine ehrliche Antwort zu erhalten. Es wird NIE direkt gesagt, dass es einem nicht gut geht. Im Laufe mehrerer Gespräche mit Menschen, die ich schon ein bisschen besser kenne und auch ein wenig mit deren Lebenssituation vertraut bin, hört man irgendwann raus, dass etwas nicht stimmt. Bei bestimmten Dingen merkt man mit gesundem Verstand, dass dein Gegenüber eigentlich gerade gar nicht so „Pura Vida“ drauf ist.

Probleme werden sehr oft nicht in der Öffentlichkeit oder sogar im eigenen Haus angesprochen. Leider kann ich das nicht so wirklich beurteilen, wie das aussieht, wenn gerade kein Freiwilliger im Wohnzimmer sitzt und alles haargenau mitbekommt. Aber meistens gehe ich auch, wenn mir etwas zu privat scheint und ich dann doch alles mitbekommen könnte.

Ich selbst habe mir auch angewohnt, nur „gut“ zu antworten. Alles Weitere ergibt sich im Gespräch, wenn man denn will, dass darüber geredet wird. Das hat auch eine praktische Sache: Wenn man nicht darüber reden will, fällt es wirklich nur denjenigen auf, die dich besser kennen als die Meisten.

Ich beschäftige mich außerdem gerne mit den so genannten Costaricanismen. Ich finde es sehr interessant, welch immenser eigener Wortschatz benutzt wird. Einige dieser Wörter höre ich so oft im Alltag, dass ich sie automatisch mit aufgenommen habe. Aber andere sind sehr schwer zu erklären und ich lasse sie mir gern immer wieder von unterschiedlichen Altersgruppen oder Leuten in anderen Gebieten erklären. Es lohnt sich, darüber irgendwann einen eigenen Blog zu schreiben. Bis dahin sammle ich noch fleißig weiter.

BlogNo:09

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