Ameisen-Dinos

by 14 lennart
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Obwohl Ameisen vermutlich überall den zahlenmäßig größten Anteil der Insekten stellen, besitzen sie hier in Costa Rica eine Präsenz und Vielfalt, wie ich sie bisher noch nicht erlebt habe: Blattschneider-Ameisen hinterlassen auf ihrem Weg kahle Zweige, Treiberameisen treten überfallartig auf und verschwinden wieder und in gefühlt jedem Stück Holz scheinen sich andere, mir unbekannte Ameisen eingenistet zu haben.

Diese Tiergruppe hat bei der Gestaltung des Waldes also ein gutes Wörtchen mitzureden. Auf den ersten Blick unauffälliger, aber auf den zweiten umso beeindruckender sind die Arbeiterinnen von Neoponera villosa, die bei uns auf der Station einzeln umherstreifen.


Neoponera villosa. Dieses Individuum ist wahrscheinlich einem entomophagen Pilz zum Opfer gefallen.

Eine Arbeiterin von Neoponera villosa misst nämlich problemlos stattliche 1,5 cm. Es scheint für diese Art keinen Bedarf zu geben, mit ihren Kolleginnen zu kooperieren. In dieser Größe, und zusätzlich mit einem gefährlichen Giftstachel ausgestattet, jagt es sich ganz gut allein. Entsprechend verhalten sich diese Tiere auch: Nimmt eine Arbeiterin eine Bewegung von einem menschlichen Finger wahr, so läuft sie selbstbewusst und interessiert heran, um sich das ganze aus der Nähe anzuschauen, wo andere Ameisen längst panisch geflohen wären.


Die Arbeiterinnen besitzen eine stattliche Größe. Gut zu erkennen ist die Einschnürung zwischen den ersten Segmenten des Hinterleibs ­ charakteristisch für alle Ponerinae.

Neoponera villosa gehört innerhalb der Ameisen zur Unterfamilie Ponerinae. Diese Unterfamilie (deren Taxonomie erst vor kurzem revidiert und gründlich neu geordnet wurde – s. Schmidt & Shattuck 2014) fehlt in Mitteleuropa fast gänzlich (lediglich zwei heimische Arten) und besitzt ihren Verbreitungs-Schwerpunkt mit über 1000 Arten in den Tropen. Man bezeichnet sie auch als ‘Urameisen’ da sie stammesgeschichtlich eine recht alte Gruppe der Ameisen darstellen. In den meisten Fällen erkennt man eine Angehörige dieser Unterfamilie durch das Fehlen des Postpetiolus, der in dieser Gruppe noch mit dem Petiolus verwachsen ist. Zwischen dem ersten und zweitem Segment des Gasters befindet sich eine markante Einschnürung. Zudem besitzen Königinnen und Arbeiterinnen einen Giftstachel, von dem bei der Jagd auch Gebrauch gemacht wird – eine ungewöhnliche Ausstattung für eine Ameise, denn der größte Teil nutzt zur Jagd und Gegenwehr die Mandibeln und verspritzt Säure.


Alle Ponerinae, wie z.B. diese Königin von Odontomachus, besitzen einen Stachel, mit dem sie auf die Jagd gehen und sich schmerzhaft zur Wehr setzen können.

Bei den Ponerinae ist das Sozialverhalten nur schwach ausgeprägt. Auf Nahrungssuche gehen die Mitglieder der Kolonie in der Regel allein – nach langgezogenen Ameisenstraßen sucht man vergebens. Entsprechend lässt sich auch der Weg zum Ameisennest nur schwer zurückverfolgen, ich konnte bisher nur die fouragierenden Arbeiterinnen, nie aber den Nesteingang entdecken. Zwischen den einzelnen Ameisen wird keine Nahrung über den Kropf weitergegeben (Trophallaxis) und im Kampf gegen ein Beutetier eilt man sich nicht gegenseitig zu Hilfe: Ein tiefergehendes Sozialverhalten entwickelte sich in der Evolution der Ameisen erst später. Auch Symbiosen mit anderen Tieren (z.B. mit Blattläusen) sind unter den Ponerinae nicht bekannt.

So oft, wie mir hier jagende Ponerinen begegnen, scheinen sie dennoch recht erfolgreich zu überleben. Neoponera villosa braucht sich auch nicht zu fürchten, ihr Stich entspricht für den Menschen in etwa dem einer Wespe. Am liebsten versenkt sie ihn aber in Insekten-Chitin, denn die Art ist ein aktiver Jäger und begnügt sich – wie viele Ponerinae – eher selten mit bereits toten Tieren. Viele Arten haben sich auch auf einen bestimmten Beutetyp (z.B. Raupen, Tausendfüßer) spezialisiert.


Eine Arbeiterin von Neoponera apicalis bei der Nahrungssuche in unserer Station. Typisch für diese Art sind die hellen Fühlerspitzen.

Ponerinae bilden im Vergleich zu den z.T. millionenschweren Kolonien ihrer Verwandten nur kleine Staaten von maximal wenigen Hundert Tieren aus, denn die Königinnen besitzen nur eine geringe Legeleistung für neue Eier. Während bei jüngeren Arten die Königinnen viel größer als die übrigen Arbeiterinnen sind und in richtige Legemaschinen verwandelt wurden, kann man bei den Ponerinae zwischen Königin und Arbeiterin äußerlich noch keinen morphologischen Unterschied feststellen. Stirbt die Königin, so fangen die Arbeiterinnen ebenfalls an Eier zu legen und sich gegenseitig zu bekämpfen, bis sich eine durchgesetzt hat.


Obwohl für die Ponerinae keine Mutualismen mit anderen Tieren bekannt sind, konnte ich diese Königin von Neoponera crenata zusammen mit Blattläusen auf der Unterseite eines Blattes beobachten.

Ich möchte an dieser Stelle noch die ‘Bullet Ant’ oder auch ’24-Stunden-Ameise’ (Paraponera clavata ) erwähnen, da sie praktisch in jedem Reise-Tierführer für Costa Rica drin steht. Obwohl sie ebenfalls eine recht ursprüngliche Ameise ist, gehört sie genau genommen nicht zu den Ponerinae. Die Trivialnamen entstanden jedenfalls, weil ein Stich dieser Ameise sich 24 Stunden lang so anfühlen soll, als würde einem eine Kugel in die entsprechende Körperstelle geschossen. Inwiefern diese Angaben stimmen kann ich nicht sagen, ausprobieren möchte ich es nicht. Sollte mir diese Ameise aber einmal über den Weg laufen und ich näheres beobachten oder ausprobieren konnte, werde ich es bestimmt berichten.

Für die freundliche Hilfe bei der Bestimmung der Arten bedanke ich mich bei Herrn Vincenzo Gentile, Neapel. / Literatur: Schmidt, CA, Shattuck, SO (2014) The Higher Classification of the Ant Subfamily Ponerinae (Hymenoptera: Formicidae), with a Review of Ponerine Ecology and Behavior. Zootaxa 3817 (1): 001–242. / Heinze, J., B. Trunzer, P. Oliveira and B. Hölldobler. 1996. Regulation of reproduction in the Neotropical ponerine ant, Pachycondyla villosa. Journal of Insect Behavior 9:441-450.

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