Leben bei Luis

by 14 dario
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Ich schreibe diesen Blog im Liegestuhl auf der Veranda des Hauses meines Chefs und Gastvaters. Wir leben am Rande einer ländlichen Gemeinde namens Santa Barbara, 25 Motorradminuten vom Büro in Santa Cruz entfernt. Ein paar schüchterne Häuser schmuggeln sich in den Akkord von Feldern, Flüssen, grasendem Vieh und dem für Guanacaste typischen tropischen Trockenwald.

Die allgemeine Wohnstruktur ist nicht dicht an dicht, sie ist weitläufig: Jedes Haus besitzt seine(n) eigenen Hektar Land drum herum; bei Luis sind es fünf. Dieses Haus + Land Gebilde wird im Spanischen finca genannt.


"Finca Luis"- Der Blick von der Veranda auf die Finca

Das Leben auf Luis finca ist in jeglicher Hinsicht das Gegenteil zu „meiner“ Charlottenburger Altbauwohnung: Unser Haus steht inmitten einer repräsentativen Auswahl an heimischer Vegetation, umgeben von Bäumen, deren Blätter und Früchte Nahrung bieten für Gürteltiere, Eichhörnchen, Schildkröten, Affen und mehr Vogelarten, als ich in meinen 5 Monaten hier hätte zählen können. Angebaut werden außerdem Zuckerrohr, Mais, Kürbis, allerhand Kräuter, Papaya, Mango, Cashews, Zitronen, Orangen und verschiedene Arten Bananen.


"Schildkröte Luis", dieser Genosse lief mir auf dem Gelände kürzlich über den Weg.

Wochenends wird üblicherweise eines der rund 20 Hühner (die Zahl variiert stark je nach nach Hunger der anwesenden Personen) geschlachtet und im Rahmen eines kleinen Familientreffs verputzt. Ja, mit dem Statement „ich bin Vegetarier“ schaffe ich zwar immer Erklärungsbedarf, habe aber Gott sei Dank den Rückhalt von Luis, der mir in seiner kurz angebunden Art zu verstehen gab „No hay carne, no hay problema“- „Gibt es kein Fleisch, gibt es kein Problem“.

Luxuriöserweise bewohne ich ein eigenes Zimmer und habe dadurch auch etwas Privatsphäre, was nichts selbstverständlich ist bei 7 Personen und drei Hunden: Luis, sein Sohn Alonso, seine Nichte Pamela, seine Frau Jeanette, ihre Eltern und ich teilen uns die „Finca del Zancudo loco“ („Finca der verrückten Mücken“), angelehnt an die gnadenlos hungrigen Scheißviecher, die jemandem mit schmackhaften Blut, vor allem von Juni bis Oktober jeglichen Verstand rauben.


"Leguan Luis", das wesentliche ist für das Auge unsichtbar - fast

Da wir Montags bis Freitags, oft auch Samstags, von 8:30 bis 18:30 im Büro oder Unterwegs sind, verbringe ich hier hauptsächlich gemütliche Sonntage, in denen zwar auch gearbeitet wird, aber eben ohne Deadline: Wir ernten Obst, reparieren das Bewässerungssystem der Finca, hacken Holz und genehmigen uns, was auch immer anfallen mag, gesunde Pausen die im ansehnlichen Arsenal an Schaukelstühlen oder in der Hängematte verbracht werden können.

Abgesehen von den allsonntäglichen Aufgaben, ist meine Hauptbeschäftigung hier zu Hause ist so simpel wie kompliziert: Die Ohren spitzen, viele Fragen stellen und alles mitnehmen was geht: Luis ist im Gegensatz zum Macho-Stereotyp ein sehr guter Koch, weiß unheimlich viel über Flora, Fauna und ihre traditionelle Verwendung, hat handwerklich einiges auf dem Kasten und leitet nebenbei noch seit 20 Jahren eine erfolgreich agierende gemeinnützige Stiftung.

Viele von uns, mich ehrlich gesagt eingeschlossen, haben/hatten trotz aller Offenheit und obwohl wir es niemals zugeben würden, das subtile, uns von der urbanen Gesellschaft ankonditionierte Gefühl, „einfachen“ Menschen vom Lande auf irgendeine, vielleicht zivilisiertere Art und Weise überlegen zu sein. Wenn wir wirklich an uns arbeiten möchten („Sei du selbst die Veränderung...“) sollten wir dringend über diese kulturellen Stolpersteine hinweg kommen.

BlogNo:03

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